Konflikte in der Ausbildung: die verbindliche Reihenfolge bis zur Kündigung (§ 22 BBiG)
Stell dir vor, dein Azubi kommt seit Wochen zu spät, hat schon zweimal unentschuldigt gefehlt, und in der Berufsschule rutschen die Noten ab.

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Kapitel
- 0:10 Worum geht es
- 0:44 Die Regel
- 1:07 Schritt 2
- 1:25 Schritt 4
- 1:55 Wichtig für die Prüfung
- 2:15 Prüfungs-Merksatz
Transkript
Stell dir vor, dein Azubi kommt seit Wochen zu spät, hat schon zweimal unentschuldigt gefehlt, und in der Berufsschule rutschen die Noten ab.
Worum geht es
Genau solche Situationen prüft die Meisterprüfung gern — nicht weil du Sozialarbeiter werden sollst, sondern weil dein pädagogisches Geschick als Ausbilder Teil deiner fachlichen Eignung ist.
Konflikte in der Ausbildung sind völlig normal. Unpünktlichkeit, Fehlzeiten, mangelnde Motivation, schwache Berufsschulleistungen, Reibereien im Team, private Probleme oder auch kulturelle Missverständnisse — das alles gehört zum Ausbildungsalltag dazu. Entscheidend ist nicht, ob ein Konflikt auftritt, sondern wie du als Ausbilder damit umgehst.
Die Regel
Und dafür gibt es eine klare, verbindliche Reihenfolge, die du für die Prüfung sicher beherrschen musst.
Bleiben wir bei unserem Azubi mit den Verspätungen. Der erste Schritt ist immer ein Gespräch unter vier Augen — ruhig, wertschätzend, lösungsorientiert. Du fragst nach den Gründen, statt sofort Vorwürfe zu machen.
Schritt 2
Bringt das nichts und die Verspätungen gehen weiter, folgt Schritt zwei, die schriftliche Ermahnung. Jetzt hältst du das Problem schwarz auf weiß fest und formulierst klar, was du erwartest. Ändert sich immer noch nichts, kommt Schritt drei, die Abmahnung — eine formale Warnung mit der Androhung konkreter Konsequenzen.
Schritt 4
Hilft auch das nicht, schaltest du als vierten Schritt den Ausbildungsberater der Handwerkskammer ein. Der ist neutral, vermittelt zwischen dir und dem Azubi und versucht zu schlichten, bevor die Situation eskaliert. Erst wenn wirklich gar nichts mehr funktioniert und ein schwerer, wichtiger Grund vorliegt, kommt die fristlose Kündigung nach Paragraph zweiundzwanzig des Berufsbildungsgesetzes ins Spiel — und die ist wirklich die allerletzte Option, die ultima ratio.
Wichtig für die Prüfung
Wichtig für die Prüfung: Diese Reihenfolge ist bindend. Du darfst keine Stufe überspringen. Erst das Gespräch, dann die Dokumentation, dann die formale Abmahnung, dann der Vermittler von der Kammer — und ganz am Ende, wenn gar nichts anderes mehr geht, die Kündigung.
Prüfungs-Merksatz
Merk dir für die Prüfung diesen Satz: Erst das Gespräch, dann die Dokumentation, dann die Formalie — die Kündigung ist immer die letzte Tür, nie die erste.